MATHIAS SANDORF    1979

 

EXTRA
 

Artikel aus dem Begleitheft "Das Fernsehspiel im ZDF" von 1979

 


 


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Anmerkungen zu „Mathias Sandorf“ 

Jules Verne in unserer Zeit für das Fernsehen zu bearbeiten bringt immer ein Problem mit sich, nämlich das einer grundsätzlichen Wahl zwischen zwei widersprüchlichen Richtungen, die bei dem berühmten Schriftsteller zusam­mentreffen: ein überquellender, fiebernder Erfindungsreichtum, der sich aus den neuzeitlichen Wissen­schaften und aus Phantasmen nährt und zugleich eine tief respektvolle Haltung gegenüber einer bestimmten überlieferten Moral, charakteristisch für die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, zu der Jules Verne voll und ganz gehört.

 

 

 

 

 

Graf Mathias Sandorf und seine Frau Rena (oben links) haben gerne Gäste in ihrem Schloß in Ungarn, zum Beispiel die Frau des Bankiers Toronthal aus Triest (oben rechts)

 

Diese Dualität spiegelt sich im ge­samten Werk von Jules Verne in der Tat vollkommen wider. Die Figuren und die Situationen sind geprägt von dieser moralischen Sorge, die die Welt in zwei Kategorien teilt, in die Guten und die Bösen, immer in einem sehr engen gesellschaftlichen Rahmen, in dem die Wahrung der Formen und der didakti­sche Wille des Autors dominieren - seine andere, unbewußtere Seite dage­gen läßt auf dem Umweg einer unge­zügelten Phantasie die dunklen Mächte zum Ausbruch kommen, die ihn auf­wühlen und schließlich immer den ver­nünftigen Rahmen sprengen, den er sich gesetzt hatte.

Natürlich fesselt heute nur dieser Teil seines Werkes unsere Aufmerksamkeit, wenn man es für ein großes Publikum adaptieren will -  der andere Aspekt hat nur noch dokumentarischen Wert für das Verhältnis zwischen dem Schriftsteller und der Gesellschaft sei­ner Zeit. Der Roman „Mathias Sandorf“ ist ein typisches Beispiel für diese Dua­lität. Hier findet sich ein etwas simpler Manichäismus, ein Erbe der Zeit: Die „Guten“ sind ganz und gar gut; Mathias Sandorf ist ein vollkommener Edelmann, sowohl kraft Definition als auch auf Grund eben der Tatsache, daß er zur Klasse der Edelleute gehört; er ist loyal, den Gleichgestellten treu, ge­recht und großzügig, ein Beschützer der Schwachen, barmherzig gegen die Armen, aber auch streng und erbarmungslos gegen jene, die die Regeln der bestehenden Moral durchbrechen. Alle seine Freunde, wie Bathory und Zathmar, verhalten sich ebenso.

 

Graf Mathias Sandorf und seine Frau Rena

Das Unglück in der Mine bei seinem Schloß rettet dem Grafen Sandorf das Leben und reißt die schuldlose Rena ins Verderben

 

 

 
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